Wertvolle Bauten

Um- und Ausbau Wohnhaus Steinerstrasse 3, Brienz

Unser Juli-Beitrag führt uns in den ältesten Siedlungsbereich von Brienz. Das Ortsbild von Brienz ist Teil des Bundesinventars der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung ISOS. Das ausgewählte Gebäude gehört keiner kantonalen Schutzstufe an, die Sicherung der Substanz wird jedoch durch den ISOS-Schutzperimeter empfohlen. Umso erfreulicher ist es, dass die Eigentümer des Hauses «Uf em Bort» ihr über hundertjähriges Zuhause respektvoll um- und ausbauen liessen. Die gewählte Lösung wird dem Gebäude gerecht, integriert sich gut in die Umgebung und vermag die gewünschte Energieeffizienz als Plusenergiehaus mit Bravour zu erfüllen.

Geschichte des Gebäudes

Der charmante und für Brienz ortstypische Holzbau ist über 100 Jahre alt. Das Haus «Uf em Bort» diente als bäuerliches Wohnhaus mit Werkstatt und steht im ältesten Siedlungsbereich von Brienz, in der Baugruppe Oberdorf, im Umfeld von Bauten aus dem 16. und 18. Jahrhundert. Seit mehreren Generationen ist das Haus in Familienbesitz. Die Grosseltern des jetzigen Eigentümers haben in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts das Haus nahe der Kirche Brienz erworben und ein erstes Mal wurden wesentliche Erneuerungen getätigt.

Ein wertvolles Gebäude

Das Ortsbild von Brienz als Ganzes ist wertvoll und Teil des Bundesinventars der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung ISOS. Das Haus ist Teil des in seiner Gesamtheit erhaltenen Gassennetzes mit gestaffelten, teils dicht aneinander gereihten Bauernhäusern.

Besondere Herausforderungen

Die Wahrung des Charakters des historischen Gebäudes und das Erfüllen der neuen Anforderungen stellen insbesondere im Bereich Energieeffizienz eine besondere Herausforderung dar.

Lösungsweg für die Erhaltung

Bei der Gebäudeübernahme durch die jüngste Besitzerfamilie im Jahr 2016 befanden sich drei Wohneinheiten im Haus: ein Studio im Sockelgeschoss, eine 3-Zimmer-Wohnung im mittleren Geschoss und eine Dachwohnung.
Nach einer ersten Sanierung des mittleren Geschosses im Jahr 2017 mit Einbau eines grosszügigen Bades startete ein Jahr später eine weitere Erneuerungsetappe. Das Dachgeschoss wurde umgebaut, eine interne Verbindung der beiden Obergeschosse realisiert und die energetische Sanierung der Gebäudehülle sowie die Realisierung einer Fotovoltaikanlage in Angriff genommen.
Das Dach wurde ganzflächig mit Solarpaneelen eingedeckt. Um eine optimale Ausnützung der Dachfläche zu erreichen, verzichtete die Eigentümerfamilie auf Dachfenster und Dachaufbauten. Zudem legte sie Wert darauf, dass die Feingliedrigkeit der Dachkonstruktion erhalten blieb. Die Fassaden wurden marginal an die neuen Raumnutzungen angepasst.
Anbauten an das bestehende Gebäude sind der nordseitige Carport und die darunterliegende Gartenhalle, die zum terrassierten, mit Natursteinmauern gefassten Garten gehört.

Das Resultat ist gelungen und überzeugt, weil

die neuen Anforderungen respektvoll in die bestehende Substanz integriert werden konnten. 
Die gewählte Lösung wird dem historischen Gebäude gerecht, integriert sich gut und vermag gleichzeitig die gewünschte Energieeffizienz zu erfüllen. Nach diesen Um- und Anbauten und der auf den neusten Stand gebrachten Haustechnik ist das Wohnhaus bereit, seinen Charme auf weitere Generationen wirken zu lassen.

Heinrich Sauter, Christina Thöni-Kaufmann

 

Ort Brienz
Bauvorhaben Um- und Ausbau Wohnhaus
Schutzstufe keine
Bauzeit 2016–2019
Auszeichnungen: Hauseigentümer-Schweiz-Sondersolarpreis 2020 
Bauherrschaft:
 Eva und Stefan Grunder, Brienz
Architektin: archiX…, Christina Thöni-Kaufmann, Brienz

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Ein Brienzer Chalet wird zum Plusenergiegebäude
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«Uf em Bort» wird die Sonne genutzt
Berner Zeitung BZ, 20.10.2020