Engagement

Abschluss der ersten Restaurierungs-Etappe des historischen Kraftwerks Schattenhalb 2 am Reichenbach

Das historische Kraftwerk Schattenhalb 2 am Reichenbach aus den 1920er-Jahren öffnete kürzlich für die Donatoren und Donatorinnen des Projekts seine Türen. Die Stiftung Kraft & Wasser lud sie zu einem Rundgang ein. Der Anlass fand zum Abschluss der ersten Etappe der Erhaltungsarbeiten und der Restaurierung von Schattenhalb 2 statt.

Die Umsetzung des Projekts kennt Auf und Abs. Es braucht seit bald 10 Jahren einen langen Atem und Überzeugungskraft (siehe Kasten). Die Ziele sind: Den nachfolgenden Generationen ein technisches Kulturensemble von nationaler Bedeutung zu erhalten, die vorhandenen Anlagen bei hohem Wasserangebot im Reichenbach für eine bescheidene Stromproduktion zu nutzen und das Kraftwerk der breiten Öffentlichkeit als lebendiges Technikmuseum zugänglich zu machen.

Meilensteine für den Erhalt und die Restaurierung des Kraftwerks Schattenhalb 2

2000

Verkauf der EWR (Elektrowerke Reichenbach Frey AG) an die BKW

2010

Stilllegung des Kraftwerks Schattenhalb 2 mit der Inbetriebnahme des Kraftwerk Schattenhalb 3

2016

Kauf durch die Stiftung Kraft & Wasser

2017

Unterschutzstellung durch die Denkmalpflege des Kantons Bern

2021

Aufnahme in das nationale Kulturgüterschutzinventar

2021

Auflage Konzessions- und Baugesuch; 15 Einsprachen durch 7 Verbände und 8 Private

2023

Abschluss Finanzierung der grundlegenden Erhaltungs- und Sanierungsmassnahmen

2025

Erteilung der Konzession und der Baubewilligung; eine Beschwerde beim Verwaltungsgericht durch vier Organisationen

2025

Abschluss der grundlegenden Erhaltungs- und Sanierungsmassnahmen

Interessante Geschichte auf neuem Fussweg zum Kraftwerk zu entdecken 

Den Gästen eröffnete sich eine ausdrucksstarke historische Welt. Das Kraftwerkgebäude von 1926, in der Architektursprache in Anklängen dem Neuen Bauen verpflichtet, stellt in Einheit mit den technischen Installationen ein schützenswertes Baudenkmal von nationaler Bedeutung dar. Dies im Ensemble mit der ebenfalls schützenswerten Reichenbachfall-Bahn von 1899. Von der Bergstation ermöglicht ein von der Stiftung erstellter Fussweg durch den Wald einen geheimnisvoll anmutenden Zugang zum Kraftwerk.
Silvia Kappeler, Mitglied des Stiftungsrats Kraft & Wasser, begrüsste die Anwesenden und übergab das Wort an den Stiftungsratspräsidenten Simon Weiss für den Rundgang. Er erläuterte, dass die Entstehungsgeschichte der Kraftwerke Schattenhalb 1, 2 und 3 vor über 100 Jahren ihren Anfang nahm und eng verbunden sei mit dem damals florierenden Tourismus in der Region sowie dem Bahnprojekt über die Grosse Scheidegg. Weil die Bahn aber nie gebaut worden sei, und die Gemeinden im Versorgungsgebiet um den Brienzersee noch kaum auf den Verbrach der neuen Energiequelle ausgerichtet waren, hatte das gross dimensionierte Kraftwerk Schattenhalb 1 Absatzschwierigkeiten und damit finanzielle Probleme. 

Erst die neuen Besitzer, die Familie Frey, konnten mit der Inbetriebnahme einer Kalziumkarbid-Fabrik im Talgrunde die Energie verwerten. Sukzessive stieg der Energieverbrauch auch in Haushalt und Gewerbe, sodass 1926 das Kraftwerk Schattenhalb 2 als obere Stufe dazu kam. Schattenhalb 2 war bis 2010 in Betrieb und sollte mit der Erneuerung von Kraftwerk Schattenhalb 1 rückgebaut werden. 

Den Denkmalwert aufzeigen und handeln

Heimatschutz und Denkmalpflege zeigten alsdann den bis zu diesem Zeitpunkt unbekannten Denkmalwert auf. Es stellte sich heraus, dass eine private Stiftung am geeignetsten ist, um den Erhalt sicher zu stellen. So gründeten einige Heimatschutzmitglieder in Zusammenarbeit mit dem BHS zu diesem Zweck die Stiftung und initiierten die Übernahme.

Turbinen in Stand gesetzt – neuer Glanz in den Wohnräumen

Simon Weiss stellte die zwei Maschinengruppen von 1928 und 1940 im Maschinensaal vor und erklärte, dass das für die Stromproduktion benötigte Wasser dem oberhalb des Reichenbachfalls liegenden Zwirgiweiher entnommen und über eine Druckleitung der Kraftwerkzentrale zugeführt werde. Danach würde das turbinierte Wasser über einen Unterwasserkanal in den Reichenbach zurückgegeben oder an die Zentrale Schattenhalb 1 weitergeleitet. Highlight der Präsentation war die kurze Inbetriebnahme der Generatoren und Turbinen. Möglich war dies, weil die technischen Anlagen in den letzten Jahren überholt und in Stand gesetzt worden sind.
Neben dem Maschinensaal befindet sich auf dem gleichen Niveau ein Schaltraum und eine Küche, dann im oberen Geschoss die Wohnräume des ehemaligen Betriebspersonals. Alle Räume zeigten sich den Besuchern und Besucherinnen in neuem Glanz. Die Wände und Decken sind nach den vom Restaurator freigelegten ursprünglichen Farbfassungen gestrichen, die Fenster, Böden und Treppen restauriert.

Hauptziel erreicht – Stromproduktion noch nicht möglich

Als kleines Technikmuseum mit einigen Preziosen steht das Kraftwerk nun interessierten Gruppen auf Anfrage offen. Der Stiftungsrat hat sein Hauptziel erreicht. Pascal Troller, von der Stiftung für die Mittelakquisition beauftragt, hat mit einer schweizweiten Aktion die Finanzierung ermöglicht. Hängig ist immer noch eine Beschwerde beim Verwaltungsgericht zum Konzessionsgesuch. So ist die Stromproduktion noch nicht möglich und weitere Investitionen in das Kraftwerk können nicht getätigt werden.

Text: Edith Biedermann, Gsteigwiler