Die Beispiele aus der Burgdorfer Oberstadt zeigen wie die unterschiedlichen Nutzungsansprüche ein Gebäude immer wieder und ganz selbstverständlich in einen andern Gebäudetypus transformieren können.
Im 15. Jahrhundert wurde das Gebäude erstmals als «Wirtshaus Glocke» erwähnt. Im Laufe des 16. Jahrhunderts wechselte es mehrfach den Besitzer und wurde zum «Wilden Mann» umbenannt. Im 17. Jahrhundert erfolgte ein umfangreicher Umbau, das Gebäude wurde einer neuen Nutzung, einem Wohn- und Geschäftshaus, zugeführt. Im 18. Jahrhundert wird dann die Fassade erneuert und die Decken höher gesetzt und im 19. Jahrhundert wird das Haus gegen die Kronenhalde erweitert, gleichzeitig wird der Lichthof eingefügt. Im 20. Jahrhundert wird das Ladengeschoss durch den Architekten Ernst Bechstein mit einer neuen Schaufensterfront und dem Haupteingang versehen. Mit der letzten Renovation, 2021, wird im Erdgeschoss eine Wand aus dem 17. Jahrhundert wieder freigelegt und die Holzdecke welche jahrzehntelang verborgen unter einer Verkleidung lag, wird restauriert. Diese historischen Elemente sind heute wieder Teil des Raumcharakters und prägen das Erscheinungsbild des Ladengeschosses. Die heutige Nutzerin, die Buchhandlung zum Kronenplatz, lässt diese ursprünglichen Details sichtbar. Erfahren Sie mehr über die wechselvolle Nutzung des Gebäudes und entdecken Sie auch das «magische Quadrat», das bei der Restauration zum Vorschein kam – und über dessen Bedeutung spekuliert werden darf.
Auch die spanische Weinhalle weist eine bewegte Vergangenheit auf. Sie wurde ursprünglich im 13. Jahrhundert als turmartiges Steinbauwerk errichtet und erlebte im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Umbauten. Heute beleben die fröhlich-frechen roten Kochhauben mit der modernen orientalischen Küche aus regionalen Produkten das altehrwürdige Lokal. Das Betreiberpaar Hanne und Andreas Hugi kaufte das Gebäude 2016 und renovierte es mit Einbezug des Heimatschutzes und der Denkmalpflege. Sie setzen sich für Integration, Nachhaltigkeit und die Förderung der lokalen Kunstszene ein, indem sie den historischen Ort vielfältig nutzen. Mit der ICOMOS Auszeichnung «Historischer Spezialpreis 2024» wird das integrative Gesamtkonzept der heutigen Nutzer gewürdigt. An der Führung durch das Gebäude wird erläutert, mit welchem sozialen und kulturellen Engagement das historische Haus wiederbelebt wurde und welche verborgenen Elemente bei der Restaurierung zum Vorschein kamen.
Das ehemalige Eisenwarenlager von 1901 vereint historische und moderne Elemente. 2024 wurde der Gewerbebau sorgfältig restauriert, dabei wurde die Aufstockung, ein Fachwerkaufbau aus dem Jahr 1940, durch eine Aufstockung in Sichtbackstein ersetzt. Heute bietet das Gebäude vielseitige Nutzungsmöglichkeiten wie Wohnen, Büro- und Dienstleistungsräumen und ein grosser Kulturraum im Erdgeschoss. Erfahren Sie, wie neue und alte Strukturen zusammengeführt wurden und wie mit dem neuen Nutzungskonzept die Aktivierung des Ortes gestärkt werden kann.
Der Rundgang führt Heinz Sägesser, dipl. Architekt FH, er war bei allen drei Objekten als Architekt involviert.
Wann: Samstag, 13.09.2025, 14.00 Uhr – 15.00 Uhr
Treffpunkt: Kronenplatz, Hohengasse 29, 3400 Burgdorf (Ab Bahnhof Burgdorf ca. 10 Min. Fussweg oder Bus 461 Richtung «Oberstadt» bis «Kronenplatz»)
Eine Veranstaltung der Regionalgruppe Burgdorf Emmental im Rahmen der Europäischen Tage des Denkmals 2025. In Zusammenarbeit mit: Spanische Weinhalle, Buchhandlung Kronenplatz, Bürogemeinschaft Schlossgässli, werkidee architekten gmbh, Wyler Blatter Architekten GmbH und WS Projektmanagement GmbH.