Im ersten geschäftlichen Teil schaute Dr. Peter Oeschger, Präsident der Heimatschutz-Regionalgruppe, auf ein aktives Jahr zurück. Es fanden etwas weniger Anlässe als im Vorjahr statt. Hingegen konnten grössere Projekte in entscheidenden Schritten vorangebracht werden. So konnte unter vielem anderen das Eigentumsverhältnis des Bohlspychers in Habkern geregelt werden. Auch die Renovation des unter Denkmalschutz stehenden, historischen Käsespeichers inklusive deren Finanzierung ist organisiert und einem einheimischen Zimmereiunternehmen in Auftrag gegeben worden. Ein Stand an der IGA, der Interlakner Gewerbeausstellung, zusammen mit dem UTB, dem Uferschutzverband Thuner- und Brienzersee, diente im Herbst dazu, die Sichtbarkeit zu verbessern. Im Detail sind die Tätigkeiten der Heimatschutz-Regionalgruppe Interlaken Oberhasli im Jahresbericht nachzulesen.
Mit den Architekten Urs Gysin und Rudolf Schild wurden zwei über Jahrzehnte tätige Bauberater verabschiedet. Beide sind altersbedingt aus dem Vorstand ausgetreten. In der Jahresrechnung spiegeln sich die vielen verschiedenen Tätigkeiten wider. Sie schliesst mit einem kleinen Plus ab und wurde von den Anwesenden einstimmig genehmigt.
Iseltwald am Brienzersee ist ein einzigartiges Beispiel für ein ehemaliges Fischerdorf, das seinen historischen Charme bis heute weitgehend bewahrt hat. Die Dorfbevölkerung und die Behörden gehen behutsam mit dem historischen Erbe um und versuchen dieses mit modernen Entwicklungen zu verbinden. Schon lange zieht das Dorf Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Welt an. Als dann vor rund vier Jahren koreanische Fans der Netflix-Serie «Crash Landing on You» in Scharen nach Iseltwald kamen, war das Dorf damit stark gefordert. Der Besucherstrom hatte aber auch positive Seiten, der Dorfladen macht seither gute Umsätze und die ÖV-Anbindung mit Postauto ist mehrmals täglich im Halbstundentakt organisiert.
Schwerpunkt des Dorfrundgangs war die zukünftige bauliche Entwicklung des 400-Seelen-Dorfes. Und es wurde deutlich, dass auch bei aller Sorgfalt bauliche Massnahmen nicht immer bringen, was man von ihnen erhoffte. So zeigte Gemeindepräsident Gregor Wyss auf, dass von den siebzig Wohneinheiten der «Residence Seepark» anders als erhofft nur ein kleiner Anteil dauerhaft bewohnt sind. Was zur Folge hat, dass in Iseltwald das Kontingent an Zweitwohnungen ausgeschöpft ist. Momentan vielversprechend, um neuen Wohnraum für Anwohner und Anwohnerinnen in Iseltwald zu gewinnen, sind die Renovationspläne des oberhalb des Dorfes gelegenen «Freizeithauses» und die direkt daneben geplante «Neubausiedlung Mühle» mit drei der Topografie angepasst platzierten, ansprechenden Häusern.
Weiter führte der Rundgang rund um den neuen Wendekreisel für das Postauto nahe der Schiffländte, durch schmale Gassen vorbei an holzverschalten Wohn- und Ökonomiebauten, zurück zur Dorfstrasse. Der Dorfkern ist geprägt von alten traditionellen Holzhäusern mit teils massiven Sockeln, vorkragenden Giebeln, reich geschnitzten Brüstungen und kleinen, dicht gesetzten Fensteröffnungen.
«Der neue Besitzer des ‘Schlösslis’, des 1907 erbauten Schloss Seeburg, auf der Halbinsel hegt Pläne für eine Nutzung als Hotel», berichtete der Gemeindepräsident. «Um das zu realisieren, müssen noch viele Hürden genommen werden. Besuche auf dem Areal sind leider im Moment nicht möglich, was auch für das dazu gehörige ‘Schnäggeninseli’ mit Kapelle gilt». Weiter berichtete er: «Weil Iseltwald grosse ungenutzte Baulandreserven aufwies, musste eine Fläche von über 6000 m2 ausgezont werden. Dies war unumgänglich, da der Kanton aufgrund der zu hohen Reserven die Prüfung sämtlicher Projekte aus Iseltwald sistiert hatte. Deshalb wurden Projekte wie der geplante Neu- und Erweiterungsbau der Lake Lodge, ehemals Hotel Alpenruhe, erst nach den Auszonungen wieder möglich.»
Auf dem Rundgang wurde klar: Iseltwald mit seinem geschützten Ortskern von nationaler Bedeutung entwickelt sich baulich weiter. Ein gesunder Finanzhaushalt dient dafür als solide Basis. Der kleine zauberhafte Ort am Brienzersee, mit einem verhältnismässig riesigen Gemeindegebiet von rund 22 km2, nimmt die Aufgabe, das wertvolle Dorfbild zu erhalten und gleichzeitig den heutigen Bedürfnissen gerecht zu werden, mit viel Sorgfalt wahr.
Text und Fotos: Edith Biedermann, Gsteigwiler