Direkt beim Bahnhof, an prominentester Lage, ragt ein markantes Fabrikgebäude in den Himmel. 1916 erbaut, diente es zuerst der Uhrenfabrik Ebauches SA, später der Firma Perles Elektrowerkzeuge und Motoren AG. Der viergeschossige Industriebau ist historisches Zeugnis jener Zeit, als die Industrialisierung Pieterlen erfasste und prägte.
Im kantonalen Bauinventar ist die Maschinenfabrik als erhaltenswert eingetragen. Doch der Zustand ist beklagenswert: Ein langgezogener Anbau aus den 60er Jahren muss abgerissen werden, weil der Boden darunter stark verseucht ist und das Grundwasser bedroht. Die 7000 m² grosse Parzelle liegt mitten in der Bauzone – und die Gemeinde will hier verdichten.
Wie soll das Areal entwickelt werden? Nach einer Einsprache schienen die Fronten verhärtet. Doch dann geschah etwas Unerwartetes: Der Berner Heimatschutz, die Gemeinde Pieterlen und die neue Eigentümerin des Areals, die JAVA AG, konnten sich einigen.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Statt juristischer Grabenkämpfe einigten sich alle Beteiligten letztes Jahr darauf, die historische Perles-Fabrik zu retten und gleichzeitig eine qualitätsvolle Wohnüberbauung zu ermöglichen. Ein anerkanntes, qualitätssicherndes Verfahren soll garantieren, dass aus der Abbruchliegenschaft und auf dem ganzen Areal ein architektonisches Schmuckstück für die Zukunft entsteht.
Der Industriebau erzählt und dokumentiert die Geschichte der Gemeinde – er verdient es, als wichtiges Stück Heimat erhalten zu werden. Und genau das wird nun geschehen.
Der Berner Heimatschutz freut sich über diese beispielhafte Entwicklung. Ein prägendes Fabrikgebäude wird nicht nur erhalten, sondern bekommt eine neue Nutzung. Was heute trostlos und vergessen wirkt, wird morgen das pulsierende Herz von Pieterlen sein – ein Ort, wo Geschichte auf Zukunft trifft und industrieller Charme modernem Wohnen Raum gibt.
Was man aus stillgelegten Fabriken machen kann, zeigen zahlreiche Beispiele in der Schweiz – etwa La Centrale oder die Schule an der Mattenstrasse 90 in Biel.
Ein weiteres Beispiel, bei dem sich die Intervention des Berner Heimatschutzes gelohnt hat, ist die alte Munitionsfabrik auf dem RUAG-Areal in Thun. Darüber haben wir im Newsletter vom Januar 2023 berichtet. Die Renovation läuft aktuell – wir werden nach Abschluss der Arbeiten mit aktuellen Fotos erneut darüber informieren.
Text: Luc Mentha, Präsident Berner Heimatschutz