Portrait

Bauberater Heinrich Sauter

Der Architekt ETH/SIA lebt sehr gerne zwischen Thuner- und Brienzersee, ist beim Hochbau Stadt Bern für Wettbewerbe zuständig und über 20 Jahre Bauberater beim Berner Heimatschutz in der Region Interlaken Oberhasli.

Sie haben Juryberichte als wichtige Dokumente für Ihre Tätigkeit als Bauberater und Architekt ausgewählt, weshalb?

Ich schätze den Wettbewerb der Ideen, mich interessiert die Suche nach der besten baulichen Lösung und dem Mehrwert, der dank des Vergleichs der Qualitäten verschiedener Projektideen entsteht. Juryberichte zeigen die Essenz einer Problemlösung. Sie haben deshalb auch viel mit dem Verständnis von unserem gebauten Raum, von Heimat zu tun.

Der Begriff Bauberater/-in des Berner Heimatschutzes ist vielen vielleicht bereits geläufig. Wofür ist ein Bauberater, eine Bauberaterin konkret verantwortlich?

Die Aufgaben sind vielfältig: Wir beraten Gemeinden, aber auch private Bauherrschaften bei gestalterischen Fragen, wenn es um Renovationen, Umbauten, Neubauten geht, und helfen darüber hinaus mit, die Bauten gut ins Orts- und Landschaftsbild einzupassen. Wir sind Vermittler von Fachwissen zur guten Gestaltung und Einpassung von Bauvorhaben gegenüber Gemeinden, Bauherrschaften und Handwerkern. Und wir vermitteln für sorgfältige Renovationen von erhaltenswerten Gebäuden Beiträge aus dem Lotteriefonds. Das wissen viele Bauherrschaften oft nicht.

Wie beschreiben Sie Ihren Hauptcharakterzug im Zusammenhang mit Ihrer Tätigkeit als Bauberater?

Das Interesse an den Menschen und das Interesse an ihrem Tun, wie und vor allem auch warum sie die Kulturlandschaft so geprägt haben.

Gab es ein Erlebnis oder eine Person, die Sie entscheidend beeinflusst hat?

Nein, ich bin eher aus einer Summe zahlreicher Ereignisse und Begegnungen der geworden, der ich heute bin.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Empathie, um das Gegenüber gut verstehen zu können.

HEIMAT

Brauchen Sie Heimat?

Ja! Heimat ist für mich ein Ort, eine Region, wo ich mich zu Hause fühle, wo ich die Menschen, die Kultur und die Natur kenne. Wo ich die Zusammenhänge erfassen und verstehen kann.

Was lieben Sie an Ihrer Heimat zwischen Thuner- und Brienzersee besonders?

Die einzigartige Kulturlandschaft, die einzigartigen Naturräume. Das Zusammentreffen von Menschen aus ganz verschiedenen Ländern.

Haben Sie eine 2. oder 3. Heimat?

Ja, die Stadt Bern wo ich arbeite und die Region Basel, wo meine Frau herkommt. Ich kann mich an mehreren Orten heimisch fühlen oder zu Hause sein. Voraussetzung ist, dass ich die Orte gut kenne und die Menschen verstehe.

Gibt es Orte, wo Sie das Entsetzen packt bei der Vorstellung, dass es für Sie die Heimat wäre?

Schwer heimisch werden könnte ich an anonymen, in ihrer Gestalt auswechselbaren Orten ohne Charakter, ohne spezifische Identität.

BAUKULTUR

Was verstehen Sie unter guter Baukultur?

Gute Baukultur schafft Bauten und Orte, welche den Bedürfnissen der Menschen dienen und Rücksicht auf die Umwelt nehmen. Bauliche Eingriffe so gestaltet, dass diese hier und heute einen Mehrwert schaffen und gleichzeitig mit den Werken und Wertvorstellungen vergangener Generationen respektvoll umgehen.

Sie bewegen sich in der Stadt und auf dem Land. Gibt es hier Unterschiede?

Ja, die Bedürfnisse der Menschen in der Stadt und auf dem Land sind unterschiedlich, das drückt sich auch in der Bauweise aus. Dass gute Architektur allerdings stets den Menschen dienen soll, gilt da und dort.

Was sagen Menschen bei der Arbeit, im Freundeskreis, wenn sie erfahren, wie wichtig Ihnen gute Baukultur und deren Schutz sind und dass Sie sich freiwillig und mit viel Engagement dafür einsetzen?

Architekten haben besondere Interessen und Vorlieben! Dass ich mich für gute Qualität im Baubereich einsetze, wird respektiert, zuweilen auch positiv anerkannt.

Was ist Ihr Lieblingsbeispiel, um aufzuzeigen, dass sich Ihr Engagement als Bauberater für gute Baukultur, lebenswerte Dörfer und Städte in einer ökologisch vielfältigen Umwelt lohnt?

Die Erweiterung des Quai Oberried am Brienzersee. Hier ist es gelungen, für die Menschen einen Ort zu schaffen, der zu ihrem geworden ist, wo zum Beispiel ein Zelt für ein Fest aufgestellt werden kann. Oberried liegt am Hang. Die Ausgangslage, um im Dorf zwischen Berg, Strassen und See eine gut nutzbare Fläche für alle zu schaffen, ist anspruchsvoll. Der Berner Heimatschutz hat einen kleinen Wettbewerb angeregt und die Behörden dafür gewinnen können. Aus den verschiedenen Ideen konnte unter anderem mit finanzieller Unterstützung des Heimatschutzes eine gute Lösung umgesetzt werden. Beim nächsten Ausflug mit dem Schiff auf dem Brienzersee lohnt sich ein Blick auf die kleine, aber wichtige Fläche am Quai Oberried, im Wissen um ihre Geschichte und Bedeutung für die Menschen vor Ort.

Filmausschnitt: «Präsentation des fertigen Projekts 2009» des Quai von Oberried, 22.09.2009. Video: Jungfrauzeitung

Gibt es Vorurteile, gar Fake News über den Berner Heimatschutz, die Sie öfters ärgern?

Ja. Der Berner Heimatschutz würde das Bauen vorsätzlich behindern. Das ist eindeutig falsch. Wir fordern Qualität beim Bauen, verhindern ist nicht unser Ziel.

ZUKUNFT

Sollen wir noch neu bauen in der Stadt und auf dem Land?

Sicher, an beiden Orten, aber qualitätvoll und nachhaltig. Ein Blick in die Geschichte zum besseren Verständnis des Bestehenden lohnt sich dabei.

Ein wirklich wichtiger Wunsch für die Zukunft?

Dass wir aus der (Bau-)Geschichte lernen, wie wir in Zukunft besser im Einklang mit der Natur leben können. Der von der Region Interlaken Oberhasli organisierte Anlass zum Thema Holzschindeln im Alpgebiet der Gemeinde Grindelwald hat eindrücklich gezeigt, dass wir von unseren Vorfahren sehr viel lernen können, beispielsweise wie die regionale Kreislaufwirtschaft funktionieren kann.


von Beatrice Born